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Mit Brillen und Kontaktlinsen wollte Markus Bocksberger plötzlich nichts mehr zu tun haben. Hatte er sich doch seit 10 Jahren unermüdlich als Augenoptiker und Augenoptikermeister mit Gläser schleifen, Linsen anpassen, Refraktionen, Skiaskopien, Sehtests und dem Zurechtbiegen misshandelter Brillenbügel auseinandergesetzt. Zuletzt war er in 1-jähriger Abstinenz in der schönen Schweiz beschäftigt. Dort täglich konfrontiert mit Wintersport-Touris und netten Menschen mit liebenswertem graubündner Akzent, war sein Bedarf an Ruhe und Idylle bald gedeckt. Markus Bocksberger bekannt als Boxi, der Kleinstadtpromi (Sänger, Theaterschauspieler) sucht das Abenteuer, die Herausforderung, das Risiko! Mit dem waghalsigen Vorhaben ein Bistro mit Bar zu eröffnen zieht´s ihn zurück in heimatliche Gefilde. Auslöser dieser Idee war ein Spaziergang zur Hubkirche über das anliegende Gutsgelände Gut Hub mit der benachbarten Villa. Das verlassene Haus wollte eigentlich in Obhut eines Pächters gebracht werden, doch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, wer dafür in Frage kommt. Derjenige der der Stadt Penzberg das vielversprechenste Konzept zur Wiederbelebung der Villa vorlegt darf darin walten uns schalten wie´s gefällt. Von diesem Moment an reifte ein nicht mehr abzuschüttelnder Gedanke im Kopf eines Augenoptikermeisters. Er zögerte nicht lange und arbeitete ein Unternehmenskonzept aus, das Bürgermeister Hans Mummert und den Stadträten offensichtlich gefiel und er bekam den Zuschlag. Der erste zaghafte, laienhafte Einstiegsversuch in die Gastronomie entwickelte sich ziemlich schnell in eine aufreibende organisatorische Existenzgründer-Action. Während die Stadt Penzberg sich über Monate mit der Renovierung des alten Herrenhauses abmühte, stürzte sich Boxi hochmotiviert in Verhandlungen mit Banken, Brauereien, Schreinereien, dort ein Termin mit dem Steuerberater, da eine Auseinandersetzung mit dem Bauleiter der Stadt und nebenbei eine Ausbildung zum Bartender in München. Dann noch ein Schankkurs und dazwischen ständig auf der Suche nach Antworten zu sämtlichen weltbewegenden Fragen: Wie viele Stühle, wie viele Tische benötigt man für Bar und Gastraum? Wie wehrt man sich gegen einen kackbraunen Türstock? Wo kommen die Stromanschlüsse hin? Gas oder Strom? Wer liefert was zu welchem Preis? Wer bin ich und wie kam ich auf diese Schnapsidee? Wie soll die Bar denn überhaupt heißen? Und dann die einen geradezu verfolgende allgegenwärtige Ungeduld der Penzberger Bevölkerung: Wann wird endlich eröffnet? Nach einigen Verzögerungen war es dann soweit - die Türen des Landhauses stehen seit 21.1.2000 weit offen und laden ein zu gemütlichem Verweilen, locken mit sämtlichen Genüssen, die Bar und Küche hergeben. Zeit wurde es ja schon lange , dass sich in Penzberg Alternativen auftun, die uns davor bewahren in halbmeditativen Trübsinn zu verfallen Und wenn in der Stadt die Bürgersteige hochgeklappt werden, fahren (oder gehen) einfach alle rauf auf´s Gut. (Auf dem Weg dorthin gibt es nicht mal Bürgersteige.) |
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